Ein Modewort aus dem 21. Jhdt. oder tatsächlich eine Chance der Konfliktbewältigung, die viel häufiger genutzt werden sollte?

Mediation soll Konflikte bewältigen und lösen und das außergerichtlich mit überschaubaren Kosten. Mediation bedeutet so viel wie „vermitteln“. Die Idee der Mediation ist uralt. Sie ist zurückzuführen auf die Vermittlung durch Schamane und Priester und war u.a. darauf gerichtet, zwischen benachbarten Clans die Bluttat abzuwenden.

Heute wie auch schon damals geht es im Wesentlichen darum, dass eine von den Konfliktparteien als neutral akzeptierte Person zwischen den Beteiligten vermittelt. Die Beteiligten sollen durch den Mediator darin unterstützt werden, eigenverantwortlich, freiwillig, vertraulich und ergebnisoffen eine für alle Seiten tragbare Lösung für den jeweiligen Konflikt zu entwickeln um einen Gerichtsprozess zu vermeiden. Im Idealfall kommt es sodann zu einem Ergebnis, von dem alle gleichermaßen profitieren („win-win-Situation“).

Dieses nicht zuletzt dadurch, dass es kein Urteil gibt wie in einem Gerichtsverfahren, an dessen Ende es immer nur einen Gewinner und einen Verlierer gibt, folglich eine Partei komplett unterliegt. Die Idee der Mediation ist, den Konflikt endgültig zu beseitigen, während beim Rechtsstreit vor Gericht nur das eine gerichtlich anhängige Problem durch Urteil beendet wird, aber der nächste Konflikt häufig nicht lange auf sich warten lässt. Es gab ja einen Verlierer, der das nicht auf sich sitzen lassen will und nur einen Vorwand sucht, um einen neuen Konflikt herbei zuführen. Getreu dem Motto: „Wer verliert schon gerne.“

In der Mediation wird gemeinsam ein Lösungsweg erarbeitet und „ausgelotet“. Es wird auf die Interessen der Konfliktparteien geschaut und die Lösungen werden durch die Beteiligten selbst eingebracht, so dass konstruktive Ergebnisse gefunden werden können. Somit kann es gut sein, dass nicht nur zwei Beteiligte mit dem Mediator an einem „runden Tisch“ sitzen, sondern z.B. in einer Familienmediation die Kinder mit einbezogen werden oder in einer Mediation innerhalb der Firma mehrere Mitarbeiter und der Chef beteiligt sind.

In der Lösungssuche ist nicht der Mediator der Experte in der Sache, sondern es sind allein die Beteiligten selbst.

Hier geht es nicht nur um die „großen DAX-Firmen“, welche ohnehin viele Berater beschäftigen, sondern und gerade um die kleinen und mittelständischen Firmen und den „kleinen Mann“ als Privatperson.

Der Bereich, in dem heute die Mediation immer mehr in den Vordergrund rückt, ist die Wirtschaftsmediation z.B. wenn zwischen Handwerker und Kunden oder Herstellerfirma ein Konflikt entstanden ist. Aber auch bei Konflikten innerhalb der Familie, am Arbeitsplatz, in der Nachbarschaft oder in der Schule sucht man immer öfter die Vermittlung durch Mediatoren.

Nicht selten sind zu Beginn die Positionen der Konfliktparteien so verfestigt, dass ein Abrücken des Einzelnen nicht mehr möglich erscheint, ohne dass dieser „sein Gesicht“ verlieren würde. Dann ist es wichtig, nicht blauäugig in einen Rechtsstreit mit ungewissem Ausgang zu steuern oder gar zu resignieren. Eine außergerichtliche Mediation mit Interessenklärung hilft nicht nur „sein Gesicht zu wahren“, sondern erspart Zeit, Geld und ist im Zweifel viel effektiver und nachhaltiger, da die Mediation eine Basis für weitere Gespräche oder für Geschäfte sein kann.

Die Mediation unterliegt der Eigenverantwortlichkeit der Konfliktparteien und ist ein strukturiertes Verfahren mit bestimmten, u.a. den folgenden Prinzipien, welche gewahrt sein müssen:

  • Allparteilichkeit: Der Mediator nimmt die Rolle eines externen Dritten ein. Er ist nicht Konfliktpartei und steht nicht in einem Lager.

  • Freiwilligkeit: Die Mediation kann in jeder Hinsicht nur ein freiwilliges Verfahren sein und nur so zum Erfolg führen. Dies auch dann, wenn z.B. der Vorgesetzte das Verfahren mit seinem Angestellten sucht und führen möchte. Im ersten Gespräch mit den Konfliktparteien ist ein wichtiger Punkt, ob an dem Verfahren sodann freiwillig von allen Seiten mitgearbeitet wird.

  • Informiertheit: Die Beteiligten müssen über ihre eigene Situation, z.B. rechtliche Auswirkungen, die steuerliche Situation und das Prinzip der Mediation informiert sein.

  • Ergebnisoffenheit: Der Mediator hinterfragt dies um zu verhindern, dass durch das Verfahren andere Interessen verfolgt werden, welche dem Zweck entgegen stehen.

  • Vertraulichkeit: Alle Informationen werden nur insoweit offengelegt, wie es von den Medianten gewünscht wird. Somit ist die Vertraulichkeit stets gegeben und wird zwischen den Mediaten in der Regel zu Beginn eines Verfahrens im Rahmen eines Mediationsvertrages gemeinsam vereinbart.

Daher sollte die Mediation in der heutigen Zeit stets als eine Alternative an Stelle des Weges zum Gericht in Betracht gezogen werden.