Jeder Bau ist anders, weshalb bauliche Mängel oder Bauschäden nicht ohne weiteres vergleichbar sind. Ungeachtet dessen gibt es Baumängel, die immer wieder und typischerweise beim Neubau oder der Sanierung des Eigenheims auftreten, wie etwa Risse im Mauerwerk oder im Putz, durchfeuchtete Fensterlaibungen, undichte oder fehlende Dampfsperren oder die falsche Montage einer Bodeneinschubtreppe.  

Es ist wichtig, Baumängel frühzeitig zu erkennen und richtig anzuzeigen, da der Bauherr nur so seine ihm zustehenden Rechte vollumfänglich nutzen kann und Folgen wie Bauschäden, Verzögerungen am Bau oder Mehrkosten verringert oder ausschließt.

Ein Mangel liegt allgemein vor, wenn der Soll- vom Ist-Zustand des Bauobjekts abweicht. Dies bedeutet, dass im Falle eines Baumangels eine Sache oder ein Werk am Bauobjekt nicht richtig, nicht vollständig oder nicht funktionsfähig hergestellt wurde. Maßgeblich ist, was vertraglich vereinbart wurde. Fertigt ein Tischler beispielsweise eine Holztreppe in Fichtenholz an, obwohl im Vertrag Eiche steht, so stellt dies einen Mangel dar. 

Selbstverständlichkeiten müssen dagegen nicht extra vertraglich geregelt werden, da grundsätzlich immer die ordnungsgemäße Herstellung eines funktionsfähigen Werkes geschuldet wird (sog. Erfolgshaftung). Verpflichtet sich beispielsweise eine Baufirma zum Bau eines Einfamilienhauses samt Keller, so muss der Keller selbstverständlich ordnungsgemäß abgedichtet und von außen mit Dämmplatten versehen worden sein. 

Sobald ein Baumangel auftritt, sollte dieser dokumentiert werden. Hierbei sollten sowohl Übersichtsaufnahmen als auch Aufnahmen aus der Nähe mit Maßangaben (Zollstock, Geodreieck, etc.) angefertigt werden. In gewissen Fällen ist es sinnvoll, einen Fachmann wie ein Bausachverständigen hinzuzuziehen oder ein selbstständiges Beweisverfahren vor Gericht nach den §§ 485 ff. ZPO einzuleiten, um das Ausmaß, die Höhe und die Schadensursache genau zu ermitteln. Weiterhin kann der Bauherr sich durch das selbstständige Beweisverfahren vor der Gefahr einer späteren Beweislosigkeit im baurechtlichen Prozess schützen. 

Nachdem die Mängel durch die Dokumentation festgehalten wurden, erfolgt die sog. Mängelrüge. Hierdurch wird dem Handwerksbetrieb schriftlich angezeigt, dass er seine Leistung nicht ordnungsgemäß erbracht hat. Weiterhin wird die Baufirma dazu aufgefordert, den Mangel am Bauwerk innerhalb einer Frist zu beseitigten. In der Regel sind zwei Wochen zur Mängelbeseitigung angemessen, wobei Besonderheiten des Einzelfalles zu berücksichtigen sind. 

Während der Zeit der Mängelbeseitigung ist der Bauherr nicht verpflichtet, das Bauwerk vollständig abzunehmen, da dies als Anerkennung der vertragsgemäßen Herstellung der geschuldeten Leistung bewertet werden kann. Des Weiteren ist der Bauherr berechtigt, weitere Zahlungen an den Handwerksbetrieb ganz oder teilweise zurückzubehalten. Die geschätzten Kosten zur Schadensbeseitigung stellen dabei ein Indiz zur Höhe des sog. Zurückbehaltungsrechts dar. Darüber hinaus muss darauf geachtet werden, dass die verantwortlichen Handwerker grundsätzlich die Chance zur eigenen Mängelbeseitigung bekommen. Der Bauherr sollte den Baumangel daher während der gesetzten Mängelbeseitigungsfrist keinesfalls auf eigene Faust beseitigen und auch kein anderes Unternehmen beauftragen, da er ansonsten die hierdurch entstehenden Kosten selber tragen muss.

Für den Fall, dass die Baufirma ihrer Verpflichtung zur Mängelbeseitigung bis zum Ablauf der ordnungsgemäß gesetzten Frist nicht nachkommt, stehen dem Bauherrn verschiedene weitere Rechte wie die Selbstvornahme nach § 637 BGB, d.h. die selbstständige Beseitigung des Mangels oder die Minderung nach § 638 BGB, d.h. die Herabsetzung des zu zahlenden Preises zu. Zudem kann unter gewissen Voraussetzungen auch die Zahlung von Schadensersatz oder das Recht zur fristlosen Kündigung des gesamten Bauvertrages in Betracht kommen. 

Seit dem 01.01.2018 gilt in Deutschland ein neues Bauvertragsrecht, welches die Stellung und die Rechte privater Bauherrn stärken soll. Es räumt vor allem dem Verbraucher mehr Rechtssicherheit und Transparenz ein, da diese in den meisten Fällen wenig Bauerfahrung haben und einen großen Teil des privaten Vermögens in das Bauvorhaben investieren..  

So schreibt das neue Bauvertragsrecht beispielsweise vor, dass Bauunternehmen grundsätzlich eine konkrete Bauzeit im Vertrag angeben müssen. Weiterhin müssen Bauunternehmen, die schlüsselfertig bauen, dem Bauherrn vor Vertragsschluss eine detaillierte Baubeschreibung übergeben, die alle wesentlichen Daten und Fakten des Bauprojekts beinhaltet. Unklarheiten in dieser Leistungsbeschreibung gehen größtenteils zu Lasten des Bauunternehmens. Schließlich kann der private Bauherr nunmehr den bereits geschlossenen Vertrag innerhalb einer Frist von 14 Tagen nach Vertragsschluss formlos und ohne Angabe von Gründen widerrufen. Soweit der Unternehmer den privaten Bauherrn nicht ausdrücklich und ordnungsgemäß über diese Widerrufsmöglichkeit belehrt, verlängert sich die Widerrufsfrist auf einen Zeitraum von einem Jahr und 14 Tage. Die Folgen des Widerrufs des Bauvertrages ein Jahr nach seinem Zustandekommen und möglicherweise nach Baubeginn dürften für das Bauunternehmen folgenschwer sein.